Wer sich der Revolution verschreibt, pflügt das Meer

Fidel Castro ist wohl eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Che Guevara führte er die kubanische Revolution an und entmachtete die alten Eliten unter Batista. Seine Geschichte ist eine, wie sie kein Schriftsteller hätte erfinden können. Sie ist es Wert, gezeichnet zu werden.

Der deutsche Journalist Karl Mertens reist in Kuba an, es ist 1958 gegen Ende der kubanischen Revolution. Er will ein exklusives Interview mit Fidel Castro, dem charismatischen Anführer der Rebellen gegen das USA-Treue Batista-Regime. Doch was wollen die Revoluzzer? „Was wir wollen ist: Keiner soll in Armut leben, alle sollen zu Essen haben, keiner soll Barfuß oder nackt gehen, jeder soll eine Schule besuchen können, keiner soll Krank sein, ohne mit Medikamenten versorgt zu werden, jeder soll ein eigenes Heim haben“, erklärt Castro bei strömenden Regen dem deutschen Journalisten. Dieser nickt anerkennend.

In der Graphic Novel Castro von Reinhard Kleist wird die Geschichte von Fidel Castro aus den Augen von Karl Mertens erzählt. Als junger, engagierter Journalist kam er einst nach Kuba, um völlig gefesselt von Castro, Guevara und der Revolution sein Leben auf der Insel zu verbringen. Als deutscher Staatsbürger machte er alle Höhen und Tiefen der Kubanischen Geschichte mit, doch seinen Glauben an eine bessere Welt gab er nie auf.

Castro war bereits als Jugendlicher Aufmüpfig

Die Geschichte erzählt uns, wie Castro bereits als Kind die Arbeiter seines Vaters gegen ihn aufbringen wollte. Weil er der Meinung war, dass die Kinder und Erwachsenen ungerecht bezahlt wurden, stachelte er sie an zu streiken. Sein Vater schickt ihn zur Strafe auf ein katholisches Internat. Anstatt die Bibel zu lesen, blieb Castro lieber bei Jose Marti, dem kubanischen Nationalheld sowie Symbol für den Unabhängigkeitskampf des Landes. Als Student legte er sich mit dem Staat an und führte einen großen Studierendenprotest an. Nach seinem Jurastudium versucht er sich als Aufständischer, jedoch führte dieser Weg zuerst nur ins Exil.

Cover: Carlsenverlag

Cover: Carlsenverlag

Reinhard Kleist zeichnet das gesamte Leben Fidels nach

Reinhard Kleist ist ein Meister seines Fachs. Seine Zeichnungen schaffen es, die Stimmung der Zeit einzufangen, irgendwo zwischen Aufbruch und Unsicherheit. Die bekannten Gesichter der Geschichte sind gut getroffen, vor allen Dingen Fidel und Raul Castro. Che Guevara hingegen ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Vielleicht, um den im Vordergrund stehenden Castro nicht zu überspielen. In jeder Zeichnung merkt man das Feuer, das Castro und seine Truppe antrieb: Die Leidenschaft und die Sehnsucht nach einer besseren Welt, frei von Armut und Unterdrückung.

Die Revolution ist Allgegenwärtig

Schnell kommt das kleine Kuba, nachdem es sich vom Joch der USA befreite, in der Wirklichkeit an. Die USA sanktionieren das Land hart und die kubanische Regierung sieht im Kalten Krieg nur in der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion einen Ausweg. Fidel Castro löste David aus den Klauen Goliaths, aber es steht heute noch vor gewaltigen Problemen: Demokratiemangel, Defizite in der Gleichberechtigung und die noch immer andauernde Blockade der Wirtschaft durch die USA sind Herausforderungen, vor denen der kubanische Wandel steht. Doch selbst der deutsche Karl Mertens, der mehr als sein halbes Leben in Kuba verbracht hat, würde sein Leben nicht ändern wollen: Ein Leben für die Revolution.

Das 285 Seiten dicke Graphic Novel erschien im Carlsen Verlag und ist auf booklooker.de ab 14,10 Euro erhältlich.

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