Früher war alles besser – wie westdeutsche Medien Ressentiments bedienen

Und „DerWesten“ hat wieder zugeschlagen. Mit einem Gastkommentar begibt sich die WAZ auf die Spuren der Jungen Freiheit. Im Kommentar geht es um die Situation in Essens größtem Freibad, dem Grugabad. Darin kommt angeblich eine Leserin zu Wort. Doch was man dort lesen kann, könnte glatt ein Werbetext für die AfD sein.

Für Frau U. ist „es schon ein seltsames Gefühl, wenn man sich an einem heißen Sommertag im Grugabad umsieht und in der Überzahl Menschen anderer Herkunft sieht“. Interessant. Ist ja nicht so, dass in Essen auch Menschen leben, deren Familien vor 2,3 oder mehr Generationen eingewandert sind. Aber wenn etwas nicht Biodeutsch aussieht oder vielleicht mehr als nur Denglisch spricht, muss es ausländisch sein! (Wir gehören zu diesem Land, wir sind keine Ausländer!)

Sie beklagt sich über die bösen Menschen, vor allem junge Männer „ausländischer“ Herkunft, die vom Beckenrand reinspringen usw. Und weiter schreibt sie, „vielleicht sollte man die Ansagen auf türkisch oder arabisch machen?“ Ok, und wenn? Wie wäre es mit Deutsch und Englisch? Wie wäre es damit, dass man bedenkt, dass auch vor 30 Jahren Badegäste machten was sie wollten und Bademeister es schwer hatten, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Und damals waren das Biodeutsche. Nicht „böse Migranten.“ Das schreiben auch zurecht etliche Kommentare unter dem Artikel: „Waren sie schon mal vor 30 Jahren im Grugabad“, ich glaube nicht. Ich glaube, hier versucht jemand seine eigenen Ressentiments auszuleben, ohne gleich als Rechter geoutet zu werden. Schließlich geht es „nur“ um ein profanes, aber wichtiges Anliegen. „Das hat doch nichts mit Rassismus zu tun“.

Ihr tun zudem die Bademeister leid, die versuchen das „Rutsch-Verhalten ausländischer!!!! Kinder und Jugendlicher zu steuern“. Ja Gott, was hat denn das Verhalten von Jugendlichen Möchtegerns mit der Herkunft zu tun? Als wären (Bio)Deutsche Kinder da besser?! Hier geht es doch nur darum die Abneigung zu demonstrieren. Ich kenne es nur so, dass alle Kinder in Bädern quatsch machen, ausnahmslos (bis auf wenige brave).

Und dann erklärt Frau U, im Grugabad herrsche nur noch ein „enormes Aufeinanderprallen von Kulturen.“ Darum gehe sie nicht mehr hin. Ja sexuelle Belästigung und nervige Männer sind Kackscheiße, aber das hat mit der Herkunft der Menschen nicht viel zu tun, wie Ekisa in ihrem Kommentar richtig schreibt: „So richtig einordnen kann es nicht, denn wie schon geschrieben bin selbst pers. betroffen von solcherart Belästigungen. Aber das waren inländische Mitbürger.Und das gab es immer schon. Früher hat man (leider) dazu geschwiegen und still gelitten. Schon in den 70igern wurde ich im Schutz des Wassers von einem üblen Kerl begrapscht und das war keiner der hier angesprochenen FlüchtlingeAusländer etc.“ Das angesprochene Problem des Sexismus ist kein Importproblem, so wie es der Essener WAZ Chef vor geraumer Zeit beschrieb, sondern ein Deutsches.

Befeuert durch die AfD-Adaptionspolitik von CDU, CSU & Co., gerät die gesellschaftliche Debatte langsam in eine Schieflage. Burkaverbot, „Ariernachweisgesetze“ in Bayern und mehr. Rassismus bleibt Rassismus bleibt Rassismus. Das spiegelt sich auch in Medien wie der WAZ wieder, die regional leider sehr bedeutsam sind.

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