Deutschlands Willkommenskultur ist für’n Arsch

Rassismus in Ausländerbehörden, Diskriminierung gegenüber Kriegs-und politischen Geflüchteten sowie alltägliche Schikane: So schaut in Wahrheit die Welt vieler Geflüchteter und MigrantInnen aus. ‚Das stimmt nicht‘ werden wahrscheinlich etliche sagen oder: Das ist doch eine blöde Verallgemeinerung. Leider beweisen Stichproben und Umfragen immer wieder dass gegenteil.

Die ARD Sendung Monitor hat am 21. November eine Sendung über die Fortschritte der „Willkommenskultur am Puls der Zeit“ gesendet, die an zehn Standorten in Deutschland ‚erprobt‘ wird: „Service und Weltoffenheit statt Diskriminierung und verstaubte Bürokratie.“ Doch die Realität ist eine andere.

Geflüchtet aus einem Dauerkrieg

Die ReporterInnen begleiten zwölf Eritreische Männer zu ihren Behördengängen im Thüringischen Sömmerda, einer knapp 20.000 kleinen Stadt im gleichnamigen Landkreis. Alle zwölf haben es nur mit Not und Mühe aus dem eritreischen Kriegsgebiet nach Europa geschafft. Alles was sie wollen, so sagen sie, ist ein Leben in Frieden.

http://youtu.be/rLagLUVfmWc

‚Du bist zu dumm‘

Eine Reporterin begleitet einen der Asylbewerber in das örtliche Ausländeramt. Der Grund ist eine Kürzung des Geldes: Statt elf bekommen sie nur noch neun, ohne das es dafür eine Begründung gab. Auf die erste Frage, ob der Amtsleiter denn nicht englisch spreche und somit einen Dolmetscher unnötig machen würde, erwiedert er nur: „Amtssprache ist deutsch – Ende. Sie brauchen mich hier nicht agitieren.“  Auf eine harmlose Frage reagiert er offen feindselig. Stattdessen fängt er vor der Kamera an sich über die Geflüchteten zu beschweren, die „einfach kommen“ und „nur in Anspruch nehmen und dann ständig kommen: Ich will mehr, ich will mehr, ich will noch mehr.“

Offener Rassismus

Georg Classen vom Flüchtlingsrat Berlin ist da eindeutig: Die Eritreer haben recht und solange sie in Deutschland sind, müssen sie ein vernünftiges Auskommen erhalten, das ihnen das überleben ermöglicht. Die Behandlung des Amtsleiters klassifiziert er schnell: „Das ist offener Rassismus den er hier zu Tage trägt.“  Auch Anwälte wie Berenice Böhlo berichten davon, dass dies keine Einzelfälle sind, sondern von ihren MandatInnen häufiger an sie getragen wird. Doch diese trauen sich nicht, diese Probleme öffentlich zu machen, aus Angst, ihren Aufenthaltsstatus zu verlieren.

Abhängig von der Behörde

Da AsylbewerberInnen nicht arbeiten dürfen, sind sie den Ämtern völlig ausgeliefert. Egal ob Geld, Waren oder bedarf des täglichen Lebens, alles muss beantragt werden. Obwohl die Eritreer in diesem Fall in einer schimmligen Wohnung leben, wollen sie sie nicht beklagen. Doch auch die Waschmaschiene ist kaputt. Als sie dies dem Amtsleiter melden, hat dieser nur eine Antwort: „Ihr seid zu dumm. Geht zum Kaufland und kauft euch ein Brett und dann könnt ihr die Wäsche mit der Hand Waschen.“ Doch die letzten Worte sind die schlimmsten: „Wenn ihm das alles nicht passt, hat er die Möglichkeit die Bundesrepublik Deutschland zu verlassen.“

In Deutschland herrscht nicht nur der Rassismus der NPD oder der anderen rechtspopulistischen Parteien. Es gibt auch den akzeptierten, in der Mitte geduldeten. So einen, wie er vom Amtleiter der Behörde vorgetragen wird. Davor darf man nicht die Augen verschließen.

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