Das größte Verbrechen ist das Vergessen

Die Bremer Band „Die Grenzgänger“ versucht mit ihrem neuen Album „Und weil der Mensch ein Mensch ist“ dem Vergessen einen Riegel vorzuschieben. Mit Liedern aus den Gefängnissen und Konzentrationslagern der faschistischen Diktatur Deutschlands halten sie die Flamme der Erinnerung wach – mit tollen Arrangement lassen sie eine Facette des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus aufleben, die ansonsten verloren gehen könnte. Nach ihrem letztem Album „Maikäfer“, mit Liedern aus dem ersten Weltkrieg, ist es ein weiterer Beitrag zur Erinnerungskultur.

Vor 70 Jahren wurden die Konzentrationslager der Nazis durch die Alliierten befreit. Doch heute will sich kaum noch jemand in diesem Land mit der dunklen Geschichte Deutschlands auseinandersetzen. Laut der Bertelsmannstiftung wollen 81 Prozent der Deutschen nichts mit dem NS zu tun haben, sondern „nur vergessen“, es hinter „sich lassen“. Doch diese Sehnsucht nach Vergessen ist gefährlich, „wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

14 Songs hat die Band, um den Liedermacher Michael Zachcial, neu arrangiert und vor dem vergehen gerettet. Zwischen Hoffnung & Hoffnungslosigkeit schickt das Album Hörerinnen und Hörer auf eine Gefühlsreise voller Gänsehaut und nachdenklichen Momenten. So wie im Lied „Mein Vater wird gesucht“: „Die Mutter aber weint / wir lasen im Bericht, der Vater sei gefangen / und hätt sich aufgehangen; das glaub ich aber nicht. / Er hat uns doch gesagt, so etwas tät er nicht. / Es sagten die Genossen, SA hätt ihn erschossen ganz ohne ein Gericht.“

Und diese Zeilen aus einer der dunklsten Epochen der Menschheit dürfen und sollten nie vergessen werden. Die Auschwitz Überlebende und Sängerin Esther Bejarano hat es gegenüber der Verdi-Zeitung Publik auf den Punkt gebracht. „Was passiert ist, darf nie vergessen werden. Zeitzeugen werde es nicht mehr lange geben. Deshalb gehe sie an Schulen, erzähle ihre Geschichte. Immer wieder. ‚Damit ihr wisst, was geschah und das weitertragt‘, sagte die 90-Jährige.“ Darum ist das Album der Bremer Band ein Beitrag zum Vermächtnis des Widerstands und der Opfer, gegen das Vergessen. Das Album lebt von modernen Rhythmen, zugegebenermaßen manchmal zu modern; doch besser so, als gar kein Album.

Die CD erschien im Chanson Verlag und ist ab 15,90 bei booklooker erhältlich.

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