Balkan-Flüchtlingskrise: „Wo es für uns ‪‎Brot‬ gibt, reicht es auch für die anderen“

Wo bleibt der ‪‎Aufschrei‬? Wo das ‪‎Entsetzen‬? An der mazedonisch-griechischen Grenzen warten tausende ‎Flüchtlinge‬ darauf, dass Mazedonien seine Grenzen auch für nicht ‪‎Syrer‬ und ‪Iraker‬ öffnet (300 am Tag). Vor allem Menschen aus dem fernen Afghanistan sitzen seit Tagen fest: Bei Regen, Kälte und starkem Wind sind 7.000 Menschen in Idomeni und angrenzenden Orten gefangen. Ein Kommentar von Daniel Kerekeš.

Gestern eskalierte die Situation, als mehrere Hundert Flüchtlinge versuchten die Zäune zwischen Mazedonien und Griechenland zu erstürmen. Die mazedonische Polizei reagierte „prompt“, schoss mit Tränengas und Dum-Dum-Geschossen und schlug mit Polizeischlagstöcken in die Menge. Noch immer sind verletzte Frauen und Kinder in Krankenhäusern. Einige Flüchtlinge sagten, dass wenn sie gewusst hätten was sie erwartet, sie lieber im Kriegsgebiet Syriens geblieben wären. Toller europäischer Humanismus. Der ehemalige UN-Beauftrage für Ernährung, Jean Ziegler, nennt das ganze immer süffisant westliche Doppelmoral. Alleine die Kolonialgeschichte des Nahen Ostens müsste Europa zur Aufnahme von mehr Flüchtlingen bewegen. Das wäre die historische Verantwortung dieses Kontinents.

Seit Monaten haben ‪Slowenien‬, ‪‎Kroatien‬, ‪Serbien‬ und dann‪‎ Mazedonien‬ Grenzzäune nach ungarischem Vorbild errichtet, aber warum? Die Menschen vor Ort sind erschüttert: Vor allem die Bevölkerung Serbiens und Bosniens sind entsetzt. Viele erinnern sich noch an den Jugoslawien-Krieg und die Vertreibung von Hunderttausenden. Im Brennpunkt (ARD) sieht man eine serbische Frau, die den tränen nahe ist: „Wenn ich diese Menschen sehe, die in eine unbekannte Welt ziehen, kommen mir die Tränen. Wo es für uns ‪‎Brot‬ gibt, reicht es auch für die anderen.“

Die Reichen wollen keine Flüchtlinge in Europa. Die Westeuropäischen Staaten ebenso nicht. Doch die armen Menschen des Balkans sagen klar: „Wo es für uns ‪‎Brot‬ gibt, reicht es auch für die anderen.“

Also, woher kommt dieser Umschwung? Man sollte sich an die Westbalkankonferenz erinnern. Dort haben Österreich und Deutschland Druck auf die EU-Beitrittskandidaten Mazedonien und Serbien ausgeübt, weniger Flüchtlinge durchzulassen. Bis dahin hatten sich beide Regierungen geweigert Zäune zu errichten oder Menschen an der Weiterreise zu hindern. Dies führte zu Konflikten zwischen Ungarn/Kroatien und auf der anderen Seite Serbien. Und nun? Nun stauen sich die Menschen in Griechenland. Wenn man sich die Bilder anschaut weiß man, wie nah das Land einer humanitären Katastrophe ist. Und trotz der bitteren Armut des Balkans teilen die Menschen dort das wenige was sie haben. Es ist das komplette Gegenteil von dem, was in Mitteleuropa passiert. Wieder einmal sehen wir, wie Menschen die von Armut betroffen sind mehr Mitgefühl und Empathie aufbringen können, als vermeintlich Wohlhabende.

Österreich sperrt die Balkanroute

Und wie reagiert Österreich auf die Krise? „Es muss Schluss sein mit einer Politik des Durchwinkens.“ Ja, die Regierung reagiert gar nicht! Sie will die Menschen viel lieber im Mittelmeer abfangen und direkt abschieben. Bloß keine Hilfe in Europa anbieten. Wie soll Griechenland mit der Krise selbst fertig werden? Das ist nicht möglich. Das Land ist doch nicht für die Krisen weltweit verantwortlich. Aber wer ist es dann? Vielleicht Westeuropa, dass ungehemmt Waffen in Kriegsregionen exportiert? Vielleicht Deutschland, dass durch seinen Exportüberschuss und Freihandelsabkommen schwächere Wirtschaften zerstört? Die Liste könnte man beliebig Verlängern.

Pseudewerte des Westens

Ich bin das Gefasel von europäischen Werten und Humanismus leid, denn Europa zeigt, dass es einen Scheiß auf seine angeblichen Werte gibt. Seien wir doch Mal ehrlich: Europäischen Werte die für die EU zählen sind mehr Profit, mehr Freihandel und mehr Macht. Alles andere ist dieser EU egal. Wer die Flüchtlingskrise bekämpfen will muss aufhören Waffen zu exportieren, muss aufhören andere Länder wirtschaftlich zu dominieren, muss aufhören sich wie ein Weltherrscher zu gebären und vor allem müssen die Reichen und Superreichen Europas zur Kasse gebeten werden. Doch im Kapitalismus hat andere Spielregeln.

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