Haben sie schon mal von Marx gehört?

Haustürwahlkampf ist zu einem Schlagwort geworden, mit dem fast jede Partei 2017 um sich wirft. Dabei könnte der Unterschied in der Ausführung nicht größer sein. Als LINKE waren wir zum wiederholten Male in Essen-Altenessen unterwegs und ja, es macht Spaß.

Einige werden sich an den Clip aus der heute Show erinnern. Lutz van der Horst, satirischer Außenreporter, war mit einem Grünen Landtagskandidaten auf Haustürwahlkampf-Tour. Das Team klingelt an der Tür und sagt: „Wir wollen mit ihnen über die Landtagswahl reden.“ Das mag für den ein oder anderen Sozial- und Christdemokraten der übliche Haustürwahlkampf sein, jedoch wird dieser nicht viel einbringen. Kulis verteilen und die eigene Partei preisen, das will vor der Haustür niemand. Und auch der Satz „Ich möchte mit ihnen über die Landtagswahlen sprechen“ klingt eher nach Zeugen Jehovas, als nach einer Partei.

Canvassing

Nein wir machen es anders. Klar denken jetzt einige: „Das muss er ja schreiben, er vertritt seine Partei.“ Es stimmt aber, Canvassing ist super. Für uns ist der aufsuchende Wahlkampf ein anderes Instrument, als für Grüne & Co. Es geht darum mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und zuzuhören. Es kommt nicht darauf an sie an der Tür zu überzeugen, sondern zu erfahren was ihre Probleme sind und im Idealfall in Aktivität zu bringen. Dafür nutzen wir Organizing und Community Organizing Methoden aus den USA.

Altenessen

In Essen waren wir bereits dreimal unterwegs: In Frohnhausen und Altenessen. Alle Canvassing-Touren machten Spaß. So erfuhren wir, dass für viele Menschen dreckige Straßen, Autolärm oder der Mangel an Spielplätzen ein wichtiges Thema ist. Andere wiederum empfanden die gravierende soziale Ungerechtigkeit, den Rassismus den sie selbst erfuhren oder das Thema Drogenlegalisierung als wichtiges Kernthema. An den drei Terminen haben wir an mehr als 1.000 Türen geklopft und hunderte Gespräche geführt. Einige Anwohner*innen folgten unseren Einladungen zu Treffen, andere trugen sich in Newsletter-Listen und wenige sogar bei Linksaktiv ein.

Gute Erfahrungen

Von Anfang an gab es eine gewisse Skepsis gegenüber dem Canvassing. Einige Genoss*innen hatten Angst, dass Haustürbesuche zu sehr an Vertreter*innen oder religiöse Glaubensgemeinschaften erinnerten. Doch unsere Erfahrung zeigte bisher, dass die Menschen positiv überrascht sind wenn sich Parteien ernsthaft für ihre Probleme interessierten. Einmal luden mich zwei Wähler*innen sogar auf die Couch ein und wir diskutierten 15 Minuten lang über das Wahlprogramm. Angst vor Ablehnung ist daher unnötig: Bürger*innen die nicht mit uns sprechen möchten, machen erst gar nicht die Tür auf oder verabschieden sich schnell. Und das ist auch völlig in Ordnung. Den erfolgreichen Kurs der Haustürbesuche will DIE LINKE. Essen beibehalten. Auch über den Wahlkampf hinaus. Der nächste Canvassing-Termin wird zudem ein Highlight, denn wir Treffen uns am 01. April mit Özlem Demirel, unserer Spitzenkandidatin, um 11 Uhr am Heinz Renner Haus. Ihr seid alle herzlich eingeladen mitzumachen, denn für jede*n der noch nie mit uns unterwegs war, gibt es eine Schulung.

Zeitintensiv, aber gut

Canvassing ist zeitintensiv, aber es lohnt sich. Man kommt mit Menschen ins Gespräch, die sich ansonsten der Politik entziehen: Familien, die aufgrund ihrer Doppelbelastung keine Zeit für Politik haben, Grundischerungsempfänger*innen, die sich von der Gesellschaft abgehängt fühlen und vielen, vielen Weiteren. In Altenessen haben wir  für den 12. April einen Stammtisch organisiert, zu dem wir alle Anwohner*innen einladen. Wir werden Altenessen nicht kampflos der AfD überlassen und die Menschen in Essen können sich sicher sein, dass wir nie an der Tür stehen werden und sagen: „Wir würden gerne mit ihnen über Marx reden.“

No comments
Share:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.